Swiss Alpine Music

Das mehrstimmige Alphornblasen

 

Während Jahrhunderten wurde das Alphorn von Hirten zum Anlocken und Beruhigen des Viehs benützt oder für die Kommunikation von Alp zu Alp verwendet. In dieser Funktion wurde das Werkzeug der Hirten immer allein, als Soloinstrument, gespielt. Berichte über die frühesten Alphorn-Wettbewerbe erwähnen nirgends mehrstimmige Aufführungen.

In der Beschreibung der ersten Alphornkurse durch den Komponisten Ferdinand Fürchtegott Huber 1826 und 1827 wird zum ersten Mal das mehrstimmige Alphornspiel erwähnt. In seiner Autobiographie schreibt er: "Alle freuten sich auf das Alphornblasenlernen. In der Zeit von 14 Tagen hatte ich sie so weit gebracht, dass sie ein-, zwei- und dreistimmige Sätze (...) rhythmisch und rein blasen konnten".

Die berühmteste Sammlung neuer und alter Alphornstücke, das 1938 erschienene "Alphornbüechli" von Alfred Leonz Gassmann, enthält acht Duos und Trios für zwei oder drei gleich gestimmte Alphörner.

1972 veröffentlicht der Komponist Johann Aregger unter dem Titel "Das mehrstimmige Alphornblasen" eine Sammlung von drei- und vierstimmigen Alphornstücken. Im gleichen Jahr unterrichtet Martin Christen in Stans (Kanton Nidwalden) das mehrstimmige Alphornspiel.

Für das gemeinsame Alphornspiel benötigt man Alphörner mit identischem Grundton und die Fähigkeit, Noten zu lesen. Erst 1975 wurden mehrstimmige Alphornmelodien am Eidgenössischen Jodlerfest aufgeführt und im Wettbewerb zugelassen. Heute sind an Alphornbläserwettbewerben Duos, Trios, ja sogar Alphornquartette und Alphornchöre genau so willkommen wie Soloauftritte.

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